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Bauchfrei und ohne Beine in Zündorf

dscm0852.jpgEs gibt so Tage, da sollte man sich besser mit etwas anderem beschäftigen als wettkampftechnisch zu laufen und vielleicht einfach nur locker trainieren. Leider weiß man dies bzgl. der Tagesform selten vorher, so dass man schon einmal mitten im Rennen feststellen muss, dass am bewussten Tag rein gar und überhaupt nichts geht und man ungeahnte Lähmungsmomente erleben darf. So gestern geschehen in Köln-Porz-Zündorf an der Groov, als ich eigentlich wichtige Punkte für den Gilden-Laufcup sammeln wollte. Es schien im Vorfeld auch für ein gutes Ergebnis zu reichen, Norbert Schneider war schnell als voraussichtlicher Sieger ausgemacht, auch Jens Warkentin hat man seit einiger Zeit natürlich immer auf der Rechnung.

dscm0854a.jpgDie ersten Meter in der Spitze neben Norbert und Jens ließen sich noch perfekt an, obwohl die Sonne zur Startzeit um 11.35 Uhr bereits ordentlich brannte, so dass wir, Verena, Daniel und ich, die mit Verenas altem (Baujahr 1993), aber bezahlten Supervan aus dem Kölner Westen angereist waren, uns sogar vorsorglich die Sonnencreme eingepackt hatten und diese vor dem Start auch wohlweislich benutzten.

dscm0864.jpgAls Harald, Paulos Arey und weitere der Zweier-Spitze Folgenden mir nach wenigen Kilometern ebenfalls langsam, aber sicher entfleuchten und ich nicht zulegen konnte, um einfach nur dranzubleiben, stellten sich bereits ungute Gedanken bzgl. des weiteren Verlaufes des Rennens ein. Ein Coup wie in Rodenkirchen war heute definitiv nicht möglich! Zwar hat mich in der ersten Runde nach dem U-Turn in Langel keiner mehr überholt, aber die Zwischenzeit über 10 km von 41:07 min. als 10. insgesamt, die auch ich nach wie vor eher für eine 30 km-Distanz bzw. einen Marathon einplanen würde, sprach bereits Bände in dem Sinne, dass der Motor spätestens auf der zweiten Runde deutlich stottern würde.

dscm0908.jpgUnd dann nahm man mir auch noch meine Uhr ab! Die Fahrradstreckenbegleitung bedeutete mir kurz und knapp, dass man meine exakt gestoppte Startzeit unbedingt gerne und dringend zum Resetten der berühmten roten Helmut-Urbach-Zielzeitanzige nutzen würde. Der Radfahrer raste mit meiner Uhr davon, um sie mir nach der Umrundung des Freizeitbades in Zündorf im Zieleinlauf der ersten Runde perfekt getimt laufend anzureichen. Na Hauptsache, die offizielle Zeiterfassung hat danach wieder funktioniert!

dscm0855.jpgNur: im Rennen wieder anziehen war nicht, also kurze Gehpause zum Anlegen, prompt überholt mich jemand, den ich auf der zweiten Runde zumindest bis Langel hartnäckig verfolgt habe. Dann wollten meine Beine nicht mehr. Da ich wie Peter Fox aufgrund einer hartnäckigen Nasennebenhöhlenreizung seit Monaten nur duch den Mund ein- und ausatmen kann und vermutlich auch aufgrund der deutlichen Wärme kaum noch Luft bekam, war ich irgendwie O2-unterversorgt.

dscm0926.jpgIch kämpfte mich nochmals um Langel, wobei ich die mich immer zahlreicher überholenden bekannten Verfolger (ca. 15 an der Zahl) immerhin zünftig abklatschen konnte, um ihnen nebenbei gutes Gelingen zu wünschen. Bei mir ging nicht mehr viel. Es kam zu einer Nackenstarre wie bei einem Hitzschlag und Koordinationsproblemen wie bei einem bevorstehenden Kollaps. Doch davon wollte ich partout nichts wissen! Ich lief, von Gehpausen durchsetzt, immer weiter auf dem Rheindeich, dem Schutz der anliegenden Gemeinden vor Hochwasser.

dscm0846.jpgDer mich auf Höhe Langel überholende Alexander Mahnke vom Verein Triathlon-Nonstop Köln rannte, wie eigentlich jedes Jahr mindestens ein Teilnehmer, an der finalen Abbiegung links zurück zu den Rhein-Gestaden vorbei geradeaus auf dem Damm Richtung Startbereich. Wenn man hier weiterläuft, wird man wegen Abkürzens der Strecke um ca. 500 Meter nachträglich disqualifiziert, das war bereits aus den Vorjahren bekannt. Ich schickte mit letzten Kräften einen zufälig entgegenkommenden Radfahrer wieder in die andere Richtung, den Abweichler aufzuklären und zur Umkehr zu bewegen. Mal sehen, ob es gewirkt hat.

dscm0849.jpgDann trabte ich im bekannten Zickzack der letzten 1,5 km gen Ziel und pfiff dabei aus dem letzten Loch, um unmittelbar vor dem Zieleinlauf natürlich von Frank (warum war der eigentlich immer noch da und nicht schon wieder zu Hause?) abgefangen zu werden, dem ich bedeutete, dass ich (etwas übertrieben) unmittelbar vor dem finalen Zusammenbruch stehe, was ihn jedoch nicht daran hinderte, mich unaufhörlich abzulichten und mir nebenbei Trost für die wirklich letzten paar Laufmeter an diesem viel zu warmen Frühlingstag zu spenden (Danke!).

dscm0920b.jpgSo, Schluss mit den Beschreibungen: 1:32:41 h (bier)bauchfrei und ohne Beine standen am Ende zu Buche, im Ziel war ich wieder klar, Guido und Daniel liefen mit 1:33 bzw. 1:35 h gefühlt nur Sekunden nach mir ein. Dafür gibt es einen tollen 5. Platz von Harald in 1:23 h zu vermelden und zu feiern, der wiederum eines der begehrten Sixpacks Gilden-Kölsch abgreifen konnte. Mein letztes und erstes nach dem 3. AK-Platz in Rodenkirchen hatte ich direkt in Kays Kühlschrank zur finalen Auskühlung für den Kerpener Osterlauf expediert.

dscm0919.jpgNach dem Lauf ist vor dem Lauf, es geht zum Glück immer weiter: der nächste Wettkampf (OM-See?) soll kommen, um dieses etwas unschöne Erlebnis vergessen zu lassen. Aktuell naht bereits mit Riesenschritten der Marathon in Düsseldorf. Ich werde auf jeden Fall mit Frank und Torsten alle antretenden Laufmonster unterstützen! Dass auf meine Initiative hin überhaupt ein Freistart (!) von Daniel möglich war, hat für die kommenden Tage eine Menge Adrenalin freigesetzt. Dies hilft mit Sicherheit enorm beim Anheizen der Stimmung am Streckenrand.

www.helmuturbach.de

www.gilden-laufcup.de

Fotos: Frank Carbach & Verena Hajek für die Laufmonster

Justus Scharnagel für den Gilden-Lauf-Cup: www.gilden-laufcup.de

www.pixum.de/slide/4890509

Spezial-Serie mit HM-Fotos von Frank Carbach exklusiv: www.pixum.de/slide/4896422

Comments

Comment from Guido
Time 19. April 2010 at 23:12

Ha, da gab es mal ein Lied in meiner Jugendzeit, das hieß „Fox on the run“. Aber Spaß beiseite, das kann doch mal passieren und den Bierbauch habe ich gar nicht bemerkt.

Kai, altes Laufmonster, nächstes Mal startest Du wieder richtig durch!

Guido

Comment from Torsten Walter
Time 20. April 2010 at 12:40

Mensch Kai,

hätte gar nicht gedacht, dass Du als Genussmensch so leidensfähig bist :-)

Oder schwappten die Endorphine hoch genug, um das Ganze noch zu genießen?

Comment from Daniel Kagelmacher
Time 20. April 2010 at 15:02

Solche Wettkämpfe sind nicht wirklich schön.. das stimmt!;) Aber Respekt, dass du das durchgezogen hast!! ;)

Comment from Harald
Time 20. April 2010 at 17:33

Hallo Kai,

schöner Beitrag, der Dein Leiden auf der Strecke sehr anschaulich widerspiegelt. Aber Du hast es ja doch noch durchgezogen. Hatte schon gedacht, es wäre was passiert, weil Du nicht ins Ziel kamst.

Persönlich bin ich mit Platz und der Zeit unter 1:24 äußerst zufrieden, obwohl ich ursprünglich in die Nähe meiner Bestzeit laufen wollte. Aber ab Runde 2 (Km 12) konnte ich keinen Schnitt unter 4 Min. mehr erreichen. Ich mag zwar die Sonne und Wärme, aber im Wettkampf werde ich da immer langsamer. Irgendwie ging es mir gegen Ende wie letztes Jahr in Wesseling. Aber das war wohl bei einigen Startern der Fall. Paulos hätte ich trotzdem fast noch erreicht.
Ein wenig mehr Schatten in Düsseldorf wäre schön und natürlich wenig Wind.
Bis spätestens zum Großevent!
Harald

Comment from Daniel K.
Time 20. April 2010 at 19:28

Hey Harald, die Bestzeit kann man bei solchen Bedingungen meist schon beim Start vergessen… umso stärker deine Zeit die du gelaufen bist…
Aber ich muss auch zugeben, für „das Großevent“ wünsche ich mir auch lieber son Wetter, wie wir heute hier oben hatten (10 Grad, bewölkt)… aber ob ich bei so viel Glück das ich nun schon nach dem missglückten Boston-Marathon-Vorhaben hatte, noch einen Wunsch frei habe?? hmmm… ich weiss nich… ;) Schaun wir mal…

Comment from Kai
Time 20. April 2010 at 23:16

Danke Euch allen und nebenbei den externen Nicht-Kommentierenden (!) für die coolen Reaktionen auf diesen Frust-Bewältigungs-Artikel. Mein Hormonhaushalt ist derzeit verständlicherweise ziemlich instabil und schwappt nach Tagesform hin und her. Endorphine, Adrenalin,alles durcheinander…

Ich bin aktuell einfach nur froh, dass wir Daniel nach den unsäglichen Flug-Querelen am Wochenende per Wildcard (!) erneut ins Rheinland lotsen konnten, denn hier läuft er bekanntlich zu Topform auf. Also, es zählt, wir werden am 2. Mai und rund um das Wochenende in Düsseldorf hoffentlich einen Gesamtevent zusammenzaubern, den die Welt in dieser Form noch nicht gesehen hat!

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