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Berglaufen Vor- und Nachteile

2679978570_e3df1b2074_b.jpgDie tragischen Geschehnisse beim Zugspitz-Extremlauf am 13. Juli 2008 (zwei Bergläufer starben, mehrere mussten ins Krankenhaus gebracht werden) haben nicht nur in der Presse, sondern auch bei uns Ausdauersportlern zu Diskussionen über den Sinn oder Unsinn derartiger Läufe geführt. Die Ereignisse auf der Zugspitze möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren, schon gar nicht Aussagen über „Schuld“ oder „Verantwortung“ treffen. Das steht mir nicht zu, zumal viele Fakten uns gar nicht bekannt sind. Vielmehr möchte ich euch aus meiner Sicht die Vorzüge des Berglaufens und mögliche Nachteile und Risiken kurz darstellen. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen dadurch noch einige Tipps geben bzw. ein paar Erfahrungen nach fünf Jahren regelmäßigen Berglaufens (als Flachlandtiroler) weiterreichen.

Vorteile

2618036856_e99cb3dd3d_b.jpgDas Vorbereitungstraining für einen Berglauf ist sehr abwechslungsreich. Trainingsläufe lassen sich an Wochenenden bzw. freien Tagen im naheliegenden Umland (Ahrtal, Bergisches Land, Eifel, Sauerland, Siebengebirge) gut durchführen. Ortskenntnisse sind nicht unbedingt notwendig, da man z.B. das Wanderstreckennetz und Rundwege nutzen kann. Ansonsten ist ein bergspezifisches Training selbst in Köln möglich, z. B. an Brücken wie der Rodenkirchener Autobahnbrücke (aber nicht zu viel auf einmal und Vorsicht bei Stolperfallen!), in Hochhäusern (Treppen rauf, Aufzug runter) oder im Fitness-Studio auf dem Laufband (da kann man auch den Wechsel von Lauf- auf Gehphasen und umgekehrt trainieren). Meinen absoluten Geheimtipp fürs Training gebe ich aus bestimmten Gründen nur ganz besonders Interessierten persönlich…

Berglaufen stärkt durch die vielen Bergaufpassagen die Beinmuskulatur erheblich. Insbesondere dem Kniegelenk kommt es zugute, dass z. B. die Oberschenkelmuskulatur stark gekräftigt wird.

In das Berglauftraining lassen sich diverse Sportarten „alternativ“ integrieren. Wandern, Nordic Walking, Spinning mit hohem Widerstand sind z. B. eine ideale Ergänzung zum Laufen.

Berglauftraining kann auch als Intervalltraining eingesetzt werden.

Wie bei den anderen Läufen auch gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen, und zwar nicht nur im alpinen Raum, sondern auch im o.g. Umland. Im jährlich erscheinenden Buch „Berglauf-Journal“ (http://www.berglauf.info/) sind viele Bergläufe einschließlich Streckenprofil und Terminen beschrieben. Es gibt selbstverständlich unterschiedliche Streckenlängen und Höhenprofile, so auch Läufe für „Bergeinsteiger“.

Entferntere Bergläufe in den Alpen oder anderswo lassen sich mit anschließendem Urlaub gut kombinieren, ganz nach dem Motto „Erst der Sport, dann die Erholung“.

Bergläufe sind einzigartige Landschaftsläufe, häufig Genussläufe pur. Wer will, kann die Uhr auch einfach mal zu Hause lassen und den Blick während des Laufens genießen. Bestzeitengeeignet sind die meisten Bergläufe ohnehin nicht, der Weg ist das Ziel.

Die Regeneration nach einem Bergmarathon ist häufig kürzer als nach einem Stadtmarathon, da die Belastung recht unterschiedlich ist. Bei den meisten Läufern wechseln sich Lauf- und Gehphasen ab, Muskelkater ade.

Nachteile

Bergläufe können während des Wettkampfes fürchterlich anstrengend sein. Sie sind meistens deutlich herz- bzw. kreislaufbelastender als „flache Läufe“. Nur wer wirklich fit ist, sollte sich in die Berge zum Rennen begeben. Eine sportärztliche Untersuchung ist nicht nur beim Berglaufen ratsam. Zwischendurch Gehen bzw. auch mal stehen bleiben ist übrigens keine Schande! Und: anfangs muss es ja nicht immer ein Klassiker-Bergmarathon oder der Lauf mit der steilsten Steigung sein.

Bergläufe mit viel Gefälle schaden den Knien. Wer Knieprobleme hat, sollte auf Läufe achten, die möglichst wenig Bergabpassagen haben bzw. diese nicht „hinunterstürzen“.

Bergläufe im alpinen Bereich sind deutlich stärker wetter- und witterungsabhängiger als Cityläufe. Die Gefahr eines plötzlichen Wetterumbruchs oder eines Berggewitters ist nicht zu unterschätzen. Evtl. Schneefelder machen den Lauf mit Straßenlaufschuhen zu einer echten Rutschpartie. Man kann sich zwar auf einige Änderungen einstellen (z. B. im hochalpinen Bereich Mütze und Handschuhe sowie eine faltbare Mini-Rettungsfolie mitnehmen, wie es die Bergsteiger auch tun). Aber ausschließen kann man den „worst case“ niemals ganz.

Bergläufe im alpinen Bereich finden „einige Meter über dem Meeresspiegel“ statt. Da ist die Luft dann bereits ab 1.500 Höhenmeter dünner, und das kann man in Köln nun wirklich fast nicht trainieren. Wer Zeit und Geld hat, kann sich allerdings mehrere Tage vorher in luftiger Höhe zur Höhenanpassung aufhalten oder regelmäßig eine entsprechende „Höhenkammer“ aufsuchen.

Man kann bei Bergläufen nicht die gleiche „Erste-Hilfe-Logistik“ erwarten wie bei Städteläufen. Die Laufstrecke führt zum Teil durch unwegsames, einsames Landschaftsgelände. Einige Veranstalter lassen die Strecke jedoch regelmäßig mit Ärzten auf Crossmaschinen o.ä. abfahren.

Bergläufe sind häufig „Oneway-Strecken“ und daher zeitintensiver. Persönliche Utensilien wie die Kleidung nach dem Lauf müssen rechtzeitig abgegeben werden und „oben“ abgeholt werden. Von „oben“ gehts dann mit dem Bus, der Gondel usw. wieder runter. Alles Zeitfresser.

Insbesondere bei Bergläufen muss man akzeptieren, dass es manchmal nicht so wie geplant klappt. Von seinem Ziel einmal Abstand zu nehmen, zeigt nur die mentale Größe des Einzelnen.

matthes.jpgHand aufs Herz: für mich persönlich überwiegen die Vorteile, ich bin also befangen. Eine Laufsaison ohne Bergläufe ist für mich momentan nicht vorstellbar, auch wenn ich mich mit „hinteren Plätzen“ begnügen muss und keine alpine Bergziege bin. Ich suche mir meine Läufe ganz gezielt nach Profil, Ort und Jahreszeit aus. Keine Frage, jeder muss das für sich selbst ausmachen, denn jeder Jeck ist anders!

Hauptsache, alle bleiben gesund!

Link mit Bericht und zu weiteren Diskussionen:

http://www.laufreport.de/archiv/0708/zugspitz/zugspitz.htm

Comments

Comment from Christian Seifert
Time 18. Juli 2008 at 17:17

Hallo Matthias,

guter Bericht bzw. gute Erklärung. Ich bin überhaupt kein Bergläufer (der Unilauf hätte mich damals schon fast geschafft!). Allerdings hat mir Monte Sophia echt gut gefallen. Wie Du schon schreibst, muß man es verhältnismässig ruhig angehen lassen, damit man auch im Ziel ankommt. Ich kann mir gut vorstellen, daß man teilweise für die Strapazen mit einem herrlichen Ausblick entschädigt wird. Wenn ich eines Tages mal „in die Berge gehe“, dann weiß ich schon jetzt, wen ich bezüglich Insidertipps kontaktiere. Bist Du schonmal auf der Nordschleife gelaufen? Ist zwar kein richtiger Berglauf aber eine Mischung aus Strassenlauf (da Asphalt) und Berglauf (wegen der Steigungen und vielen Bäume am Wegesrand). Ich bin da bisher nur mit dem Fahrrad gestartet (Rad am Ring).
Gruß

Christian

Comment from Kerstin & Manuel
Time 19. Juli 2008 at 18:40

Hallo Mattes,

super interessanter Bericht. Und sehr professionell Vor- und Nachteile dargeboten. Irgendwann komme ich auch mal in die Berge, das reizt mich ja schon. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass mir das liegt.

Gruß, Manuel

…und mach weiter so mit diesen schönen Berichten :-)))

Comment from Carsten
Time 19. Juli 2008 at 21:57

Mattes,

ist der Rennsteig-Lauf ein Berglauf?

Viele Grüße
Carsten

Comment from
Time 21. Juli 2008 at 15:04

Hallo Mattes,
ein sehr lesenswerter Bericht. Werde ihn im Bonner Kreis weiter streuen.
Wer Lust hat Berglaufluft zu schnuppern, dem empfehle ich die Läufe im Siebengebirge:
Löwenburglauf gut 15 KM im September (fällt 2008 leider aus) als Einstieg
Rheinhöhenlauf als HM am 18.10.2008 (gut schaffbare 350 Höhenmeter)
Siebengebirgsmarathon (schöner Landschaftslauf mit 650 Höhenmeter) am 14.12.2008
und für Fortgeschrittene
Drachenlauf ca. 26 KM (1.000 Höhenmeter nur steil hoch und runter) am 26.10.2008 und
Rheinsteigextremlauf ca. 34 km (1.200 Höhenmeter!) am 14.06.2009
Lieben Gruß
Jürgen

Comment from Uwe Middendorf
Time 21. Juli 2008 at 17:56

Hallo Freunde des Laufens und Laufmonster,
auch ich bin ein Freund der bergischen Läufe und kann allen nur solche Genussläufe empfehlen. Dabei braucht es ja nicht gleich alpin werden. Man denke an den Monschau-Marathon in der Nordeifel mit einem Höhendelta von 2,6% oder den Röntgenlauf. Der RennsteigSM ist übrigens auch ein Berglauf mit einem Höhendelta von 3,4%. Bei den Läufen sollte man auch ruhig einmal stehen bleiben und den „erlaufenen“ Anblick ins Tal geniessen.
Gruß, Uwe

Comment from Marcus Jaich
Time 22. Juli 2008 at 15:58

Hallo,

schöner Artikel. Anzumerken bleibt noch, das „Berglauf“ im eigentlichen Sinne eine sehr spezielle Disziplin ist, die von sonstigen Landschafts- und Alpinläufen abzugrenzen ist. Meines Wissens nach ist beim Berglauf vorgeschrieben, daß es grundsätzlich bergauf gehen soll, Start im Tal, Ziel auf dem Berg -möglichst ohne Zwischenabstiege, für deren Anteil gibt es eine Höchstmarke, die nicht überschritten werden darf. So besehen ist auch „Swiss-Alpine“ kein Berglauf im eigentlichen Sinne sondern ein alpiner Landschaftsultra. Auch der Rennsteig ist erst recht kein Berg- sondern ein Landschaftsultralauf. Die Kriterien für einen echten Berglauf bringen auch mit sich, daß die meisten relativ kurz sind, der Schnitt für die Streckenlänge dürfte so bei 10km liegen.

Gruß Marcus

Comment from Uwe Middendorf
Time 24. Juli 2008 at 09:56

Hallo Marcus,
dann ist der Eversten Marathon also kein Berglauf sondern ein alpiner Landschaftslauf und der Swiss Alpine ein alpiner Landschaftsultra mit zwischenzeitlichen Bergläufen.

Comment from Marcus Jaich
Time 25. Juli 2008 at 04:12

Hi Uwe,

so ähnliches isses. Swiss-Alpine ist ein Bergultra. Rennsteig ist ein Landschafstultra und in dem Zusammenhang genausowenig der Rede wert wie Monschau. Allerdings scheint in Bergläuferkreisen keine absolute Einigkeit zu herrschen. Nach Helmut Reitmeir muß ein Berglauf, der diese Bezeichnung verdient hat, folgenden Kriterien gerecht werden:

————————————-
Folgende Kriterien sollten weitestgehend erfüllt werden,
um das GÜTESIEGEL BERGLAUF zu erhalten:
Nach Wertigkeit für Welt – Europa – Grand-Prix – Internationale Cup Läufe sowie Nationale Meisterschaften.

Kein Bergablauf

Streckenprofil ist vorrangig.

Eine durchschnittliche Mindeststeigung von ca.10 -12 %

Nicht mehr als max. 15% der Streckenlänge darf geteert sein.

Die Streckenlänge soll nicht unter 6 km sein sowie nicht länger als 21 km.

Je nach Streckenlänge nicht mehr als 50-150 Hm Gelände bedingte Bergabstrecken. Dabei gilt: umso länger die Strecke um so mehr können Bergabstrecken dabei sein, vorzugsweise Bergwege oder Bergpfade. In der Ausschreibung muß die Streckenlänge und das Höhenprofil genau dargestellt werden.

Gipfelläufe sind höher zu bewerten.

Mindesthöhen für Europa Meisterschaften 1000 Höhenmeter
Bei Weltmeisterschaften 1200 Höhenmeter.

Für Grand-Prix oder internationale Cup Läufe und nationale Meisterschaften 900 Hm.
—————————————————

Mehr: http://www.berglaufpur.de/guetesiegel.html

Gruß Marcus

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