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Jochen Baumhof ehrt Laufmonster posthum

2013-09-29_0991.jpgAls moderner Dienstleister wirbt das Bickendorfer Bestattungshaus Ahlbach damit „auf neuen Wegen, Menschen in schweren Stunden außergewöhnliche Hilfe“ zu geben. Der „etwas andere“ Bestatter in der Kölner Szene sollte mit seinem 24-Stunden-Service am Ultimo des sonnigen Septembers auch die Laufmonster erreichen. Ahlbach tritt als Mitsponsor des Bickendorfer Büchenlaufs auf. Im Startpaket fand sich denn auch unter anderem ein Gutschein des Bestattungshauses… Doch damit nicht genug.

Zur Verwunderung von Jose und mir führte uns der Weg zur Garderobe des bestens organisierten Laufs durch eine Toreinfahrt an der Venloer Straße direkt in das „Forum“ des Bestattungshauses. Noch bevor wir über eine Treppe den Eingang der Trauerhalle erreichen konnten, führten vier Träger vor unseren Augen einen Sarg heraus in ein bereit stehendes Fahrzeug des Bestatters. Finisher zu sein, bekommt bei diesem Lauf also plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

Eine freundliche Dame an der Garderobe mit einer zur Hand liegenden Packung Zigaretten mit der Aufschrift „Rauchen kann tödlich sein,“ erleichterte uns zunächst von unserem „Hab und Gut“. Was braucht ein Läufer überhaupt noch, wenn es ernst wird im Leben? Jose erleichterte sich wohl zu sehr. Sichtlich beeindruckt von dieser Umgebung, vergaß er seinen ChampionChip am Schuhwerk zu befestigen. So kam es, dass Jose „im off“ startete, und die Nachwelt nie einen Beweis dafür haben wird, dass er einst hier startete und gefinished hat.

Im Übrigen wurden die umher stehenden Särge von den anwesenden Sportsfreunden sehr gut angenommen und als „Umkleidehilfen“ oder „Ablage“ genutzt. Für dieses unkomplizierte Angebot gilt dem Mitsponsor ein ausdrücklicher Dank. Dieser Bestatter gibt uns Sportlern aktive Lebenshilfe!

Der Lauf selbst, dieses Jahr bereits zum siebten Mal, fand wie immer bei sonnigem Wetter statt, bestätigte mir M55-Mitstreiter Dieter, der alle bisherigen Läufe gefinished hat. Es geht vier Runden mitten durch „das Herz“ Bickendorfs, vorbei an Vorgärten mit zahlreichen Zuschauern, die wiederum ihre Party feiern mit Pittermännchen, Frikadellen und vielem mehr. Es ist gut vorstellbar, dass Wohnungen an diesem „Zugweg“ am Markt ihren Preis haben.

Meine Strategie für den Lauf war es an diesem Tag, dem Tod mal „ein Schnippchen“ zu schlagen: Mit maximalem Tempo starten, so lang wie möglich dieses Tempo halten, dann Augen zu und „laufmonstern“, den Rest von den Zuschauern geben lassen und nie vom Gedanken los lassen, dass wenn du schneller im Ziel ankommst auch schneller ein Bier hast. Ich stellte fest, dass ich doch einen Tod sterben muss: Nach gefühlten zwei Kilometern in der „top ten“, entschleunigte sich mein Leben doch merklich. Immerhin rettete ich mich noch mit „guten“ 20:45 in die zweite Halbzeit. Auf dieser verabschiedete ich mich allerdings zunehmend aus dem aktiven Dasein, „starb“ in schmachvollen 23:15 und dachte an „Struuuunz“ und Trap. Es reichte mit 44:00 dennoch eben zu Platz 2 in der AK (48. Der Gesamtwertung). Jose finishte „außer Konkurrenz“ mit ca. einer Minute Vorsprung.

Ein interessantes Rennen ergab sich bei den Mannschaften über 5 km. Die „Oldies“ des Leibnitz-Gymnasiums Dormagens (Ü40) verwiesen die Jungspunde des Kollegiums (U39) auf Platz 2. Die Jungspunde um den Einzel-Gesamtsieger Thomas Essmann (16:52) mussten sich dem Team um Routinier Harald Gläßer (18:14) geschlagen geben. Laufmonster an diesem Tage einmal in anderer Mission. Bei den Damen musste ein bestens aufgelegter Moderator Jochen Baumhof sogar „Tussi-Roadrunners“ auf die Bühne bitten (Platz 1!).

Die dritte Halbzeit war dann doch mehr von Erfolg gekrönt. Bei Sonnesching war schnellst ein munterer Stammtisch der M55er-Gilde um die Mitstreiter Dieter Ripp, Norbert Mielczarek, Michael Hoffmann und weiteren Lauffreunden mit reichlich Bierbons organisiert. Tenor: So lang mer noch am lääve sin, starten wir. „Es gibt ein Leben nach dem Tod“ singen jene Kölner Legenden, die dem „Bickendorfer Büdchen“ ihren Namen gegeben haben. Damit finden wir die Erklärung, was eine „ordentliche“ Beerdigung mit einem Laufevent in der Szene so verbindet.

Als sich Bühne und Platz von jetzt auf gleich leerten, kramte ich überrascht nochmals die Ausschreibung hervor. Tatsächlich sollten doch auch Platz 2 und 3 einer jeden AK des Hauptlaufs geehrt werden. Irgendwie war es den Organisatoren (und mir) aus dem Blickfeld geraten. So kam es, dass mein „Gemosere“ nicht zu einer Disqualifikation führte (ich besitze zum Glück keinen Startpass), sondern dass „unser“ Jochen Baumhof mich posthum und diskret beim letzten Bier für den 2. Platz ehrte und mir die „Silbermedaille“ per Handschlag überreichte. So schön kann das Leben sein.

Für die Puristen der Laufszene hier noch schnell das Treppchen im Gesamtklassement des Hauptlaufs: Bei den Herren Marc Fricke mit 33:33 min. vor Til Gröppel in 37:04 und Heiko Wilmes vom TV Refrath (37:14); bei den Damen: Aude Salord mit 40:18 min. vor Wiebke Bültena vom ASV Köln (41:54) und Silke Schneider vom SSF Bonn (44:08).

Comments

Comment from Sabine
Time 2. Oktober 2013 at 15:02

Interessant, was ihr so er“lebt“, wenn ihr mal in kleinerer Runde unterwegs seid. Eine schöne Werbung für den Lauf und seinen Sponsor. Ich hoffe, dass wir nicht zu lange auf den nächsten äußerst unterhaltsamen Bericht warten müssen. Vielleicht denkst du noch mal über die Kolumne nach.
LG Sabine

Comment from Harald
Time 3. Oktober 2013 at 11:51

Herrlicher Bericht! Kabarettist Guido in Bestform!
Nach meinem Finish war ich übrigens auch im Bestattungshaus, konnte es aber aufrecht auf beiden Beinen wieder verlassen. Und lieber Guido, auch wenn Du auf dem zweiten Teil der Strecke gestorben bist, es gibt ein Leben nach dem Tod! Aber das hast Du ja bereits im Après-Finish beschrieben.
Gute Erholung und bis bald zu neuen Taten!
Harald

Comment from Daniel
Time 3. Oktober 2013 at 20:46

Hahhhaaha… Sehr schöner Bericht, Guido!!!
Bin froh, dich gestern in doch sehr lebendiger Verfassung gesehen zu haben !!! :-)
Gruss, der Weiße Afrikaner Daniel G. !

Comment from „Kutscher“
Time 4. Oktober 2013 at 12:36

Glücklicherweise war es nicht Dein „Dead Man Walking“ und wir kommen mal wieder in den Genuss eines genialen „Soethout“.

Übrigens coole Marketing-Strategie vom Totengräber!!
Gab es auch gekühlte Schließfächer?!?
Vielleicht werden nächstes Jahr Massagen inclusive „Probeliegen“ angeboten.

Maat et joot,
Micha

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