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Marathon unter Tage – ein Lauferlebnis der besonderen Art

201202260802.jpgAm Sonntag, den 26. Februar, wurde im thüringischen Merkers im dortigen Erlebnis-Bergwerk zum sechsten Mal der sogenannte „Kristallmarathon“ ausgerichtet. Nach einer Übernachtung in der Jugendherberge Bad Hersfeld fuhren wir am Sonntagmorgen nach Merkers, wo wir im Restaurant am Eingang des Salzbergwerkes die Startunterlagen sowie den Transponder der Firma SPORTident, der an einem Gummizug am Arm zu tragen ist, in Empfang nahmen. Dies sollten bis zum frühen Abend unsere letzten Minuten übertage sein, und so nahmen viele per Handy Abschied von ihren Lieben. Für die Seilfahrt nach unter Tage beantragte der Führer telefonisch die Erlaubnis, dann durften wir alle dicht gedrängt einschließlich der Sporttaschen in den Drahtkäfig, und in 95 Sekunden ging es 550m nach unten. Angesichts der draußen herrschenden Kälte empfanden alle die hier unten herrschenden Temperaturen von 17 bis 21° als sehr angenehm und freuten sich auf einen Lauf in T-Shirt und kurzer Hose.

201202260801.jpgNach dem Ausstieg kletterten wir auf die offene Ladefläche eines LKWs und wurden in rasanter Fahrt durch Stollen und Gänge in ein paar Minuten zum Zentrum des Geschehens gefahren: Der Großbunker, eine riesige Halle, in der auch Konzerte für bis zu 2.500 Zuschauer stattfinden, versehen mit Stuhlreihen, Gastronomie, Toiletten und einer Bühne, über der ein Public Viewing Bildschirm montiert war. Auf diesem erschienen später für die Zuschauer bei jedem Durchlauf die Daten jedes Teilnehmers und die Anzahl seiner noch zu absolvierenden Runden. Das gleiche sah der Läufer auf einem kleineren Bildschirm. Man musste sich also keine Sorgen machen, ob man eine Runde zuviel oder zu wenig läuft. Jede Runde hatte 3,25 km, so dass insgesamt 13 Runden zu absolvieren waren. Nach dem Start der 10 km-Läufer durften wir um 11 Uhr und damit eine Stunde später endlich auf die Strecke.

Zwar notierte der Veranstalter mehr als 500 Teilnehmer, aber den Marathon wagten nur 164 Läufer, darunter 28 weibliche. Wer nach 2:45 h nicht die 7. Runde = 22,7 km vollendet hatte, wurde als HM gewertet. Alle trugen wie vorgeschrieben einen Helm und eine Lampe teils am Helm, teils in der Hand; ein Läufer trug sogar stilecht eine Grubenlampe über die gesamte Distanz. Zu Beginn war das Läuferfeld noch so dicht, dass ich meine Lampe nicht einzuschalten brauchte. Später war ich dann froh, mit ihr auch dunklere Stollen am Boden ausleuchten zu können. Der Untergrund war nämlich mitunter zerfurcht und mit Spurrillen und Schlaglöchern versehen, teilweise uneben und hart, am Rand auch mehlig weich – kurz: man musste stets achtsam laufen. Auf der ersten Runde irritierten viele von uns die glänzenden Stellen, die uns an Glatteis erinnerten und daher mit großer Vorsicht betreten wurden. Später stellten wir fest, dass diese Vorsicht unnötig war.

Weitaus gefährlicher waren da die Bergabstrecken, besonders die scharfe Linkskurve nach dem Scheitelpunkt, auf der es mit 15% Gefälle in die Tiefe ging. Mutig laufen lassen oder jeden Schritt abbremsen das war jedes Mal die Entscheidung. Eine Runde bot knapp 60 Höhenmeter, so dass insgesamt 750 Höhenmeter zu meistern waren. In Wellen ging es auf und ab. Am Begegnungspunkt läuteten Ordner in weißen Overalls unentwegt eine Glocke zur Anfeuerung. Ich lief an ausrangierten Grubenfahrzeugen, Loren und einer Lokomotive vorbei. Auf einer Runde wurden wir am Shuttle-Point von den Teilnehmern des 10-Kilometer-Laufs angefeuert, die darauf warteten, ausgefahren zu werden. Entsprechend leerten sich die Sitzreihen in der Halle.

Die äußerst geringe Luftfeuchtigkeit von 20 bis 30 % erfordert ausreichende Flüssigkeitszufuhr, und so nutzte ich tatsächlich in jeder Runde beide Verpflegungsstände und nahm oft sowohl Wasser als auch Cola und zusätzlich Bananenstückchen zu mir. Bei Bedarf konnte man sogar eine feste Toilettenanlage an der Strecke nutzen. Beim Einlauf in die Halle passierte man einen Klettergarten, eine künstliche Strandlandschaft (ohne Wasser und Sand) sowie Einrichtungen zum Bogenschießen und Gewehrschießstände, bevor man an den applaudierenden Zuschauern vorbei auf die nächste Runde ging.

201202260803.jpgNach 13 Runden und 42,25 km war ich im Ziel, bekam eine Medaille in Form einer Fahrmarke umgehängt und staunte über meine Zeit von 4:31:53 h, die ich bei einem derart anspruchsvollen Lauf nicht erwartet hatte. (Zum Glück musste ich meinen gebrochenen Finger kaum belasten ;-) .) Mit Bockwurst (Kuchen gab es leider nicht mehr), Schmalzbroten, Apfelstückchen und Bananen füllte ich meine Kohlehydratspeicher wieder auf, trank noch etwas, dann begann schon die Siegerehrung: Es siegten bei den Frauen Silvia Schmied aus Halle in einer Zeit von 3:30:47 h und bei den Männern Michal Kovar von Hi sport team in 2:51:03 h. Sobald eine Altersklasse komplett im Ziel war, wurde die jeweilige Ehrung durchgeführt.

Zum Besichtigen der berühmten Kristallgrotte blieb uns leider keine Zeit mehr. Wir wurden in LKWs – diesmal in drei Sitzreihen – und anschließend in Förderkörben ausgefahren. In der Kaue des Bergwerkes Übertage genossen wir eine warme Dusche, bevor wir die Heimfahrt Richtung Westen antraten.

Fazit: Ein gut organisierter außergewöhnlicher Lauf, der auch eine etwas weitere Anreise lohnt

Veranstalter

3 Kommentare zu „Marathon unter Tage – ein Lauferlebnis der besonderen Art“

  1. Hallo Verena,

    Klasse Bericht von wirklich mal etwas „ganz anderem“. Htte ich mir ohne Deine Zeilen auch nicht so vorgestellt – also Danke dafr.
    Und dann auch noch Glckwunsch zu Deiner Leistung, die Du ja auch ber Tage nicht bei jedem Deiner zahlreichen Marathons erbringst. Was ist denn als nchstes geplant…?

    LG Manuel

  2. Hallo Verena,

    jetzt begibst Du Dich noch unter die Maulwrfe! Klasse Leistung, toller Bericht! Immer wieder spannend. Da fehlt noch die Antarktis, oder? Gute Erholung und Gewhnung ans Tageslicht!
    Bis bald
    Harald

  3. Hi Verena, Glckwunsch zum abermals erfolgreichen Marathon. Ich beneide dich um einen Lauf bei solchen Temperaturen. Ich will auch Frhling. Bis demnchste abseits der Rennstrecken: mein Einstieg in die Lufe ist unbestimmt verschoben.
    Gru Daniel

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