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Neue Rubrik bei Laufmonster: Nachgefragt bei… Agnieszka Sokolowska

dsck7998.jpgAb sofort möchten wir von Zeit zu Zeit bzw. bei Gelegenheit auch einmal gezielt hinter die Kulissen der regionalen Laufszene schauen und suchen uns je nach Aktualität spontan interessante Gesprächspartner. Den Anfang machen wir mit einer schillernden Persönlichkeit und Läuferin, die im abgelaufenen Jahr 2009 mit mehreren Einzelsiegen für Furore im linksrheinischen Rhein-Erft Akademie-Cup und auch darüber hinaus gesorgt und diesen dann letztlich verdient gewonnen hat: Agnieszka Sokolowska (geb. 1976) vom RTC Frechen 80. Einen letztlich unerwarteten Sieg außerhalb des Cups errang Sie insbesondere beim letztjährigen Frechener Frühlingslauf, als Sie trotz Führung während des gesamten Rennens erst verspätet und am grünen Tisch zur Gewinnerin gekürt wurde. Die schnellere Nettozeit garantiert eben nicht (immer) einen sicher geglaubten Sieg. Zur Zeit scheint Sie jedoch ein wenig ausgebremst zu sein. Mehr im Interview:

Agnieszka, wie geht es Dir zu Zeit?

Ich bin wieder mal krank. Diesmal Bronchitis und Kehlkopfentzündung… Ich bin vor kurzem aus dem Urlaub zurückgekommen… und würde am liebsten direkt wieder verreisen…

Dann trainierst Du offensichtlich nicht mehr so umfangreich wie in der Saison und hast das Training im Winter etwas heruntergefahren?

In den letzten drei Monaten habe ich überhaupt nicht mehr trainiert. Mein Immunsystem spielte verrückt. Seit Oktober kämpfe ich gegen diverse Erkältungen, zwischendurch hatte ich einen Fahrradunfall, dann eine Augen-OP… Jetzt wieder eine Woche im Bett und eine Antibiotikakur…

Dann zunächst natürlich gute Genesung. Wie bist Du eigentlich zum Laufen gekommen?

dsck7997.jpgAls Kind war ich ziemlich übergewichtig! Meine liebste Nachbarin war zugleich meine Sportlehrerin und hat beschlossen, mich fit zu machen. Ich musste 2-3 mal die Woche zum Leichtathletiktraining gehen und mit den besten Kindern aus meiner Schule trainieren. Ich war natürlich die unsportlichste und unfitteste von allen. Ich bin ab und zu mit denen zu Wettkämpfen gefahren und habe zugeguckt, wie toll die kämpfen können. Zwar ist aus mir keine Jugend-Sportlerin geworden, aber die Liebe zum Laufen ist doch geblieben. Mit 18 begann ich regelmäßig zu joggen. Damals in Polen war das sehr ungewöhnlich. Ich war wohl die einzige Joggerin in meiner Stadt. Es war ziemlich peinlich, tagsüber zu laufen, deswegen habe ich meine Runden immer abends gedreht. Es wurde gehupt, gespottet, ich wurde ausgelacht, manchmal auch beschimpft.

dsck8000.jpgDas schnellere Laufen wurde eigentlich erst durch meinen Freund Timo initiiert. Er hat mich überredet, mich für meinen allerersten offiziellen Lauf anzumelden, das war der Otto-Maigler-See Halbmarathon vor 6 Jahren. Ich war so gestresst, dass ich kurz davor nicht mehr schlafen konnte. Zum ersten mal so wirklich ernsthaft laufen, wie damals die Kinder bei den Jugendwettkämpfen, mit einer Startnummer auf der Brust, mit so vielen guten Läufern zusammen… das war echt sehr aufregend für einen Novizen.

Hast Du früher andere Sportarten betrieben? Und welche?

Eigentlich nicht. Obwohl ich nach dem Abi Touristikwissenschaften an einer Sporthochschule in Polen, dann Sport in Bonn studiert habe, habe ich nicht wirklich (ausser Joggen) andere Sportarten betrieben. Das meiste im Studium war leider nur Therorie. In der Freizeit habe ich leidenschaftlich gern Volleyball gespielt und im Winter bin ich Snowboard gefahren.

Was gefällt Dir am Laufen?

dsck8001.jpgDas ist ja eine schon fast philosophische Frage;-) Je nach Trainingzustand gibt es verschiedene Faktoren, die das Laufen so schön machen. Manchmal ist es einfach die Bewegung, das Auspowern, der Muskelkater danach. Am genialsten ist es aber wenn ich lang und schnell mit einer perfekten Technik durchlaufen kann. Es fühlt sich für mich wie Fliegen, du bist frei und leicht wie ein Vogel, der sich optimal bewegt und die Luft nicht zum Atmen, sondern zum Fliegen braucht…

Wie oft und wieviel trainierst Du? Was motiviert Dich, jeden Tag die Laufschuhe zu schnüren?

Ich trainiere sehr unregelmäßig. Meistens nach Lust und Laune. Im Sommer klappt das viel besser als an kalten, dunklen Wintermorgen, dann bleibe ich doch lieber im warmen Bettchen. Da ich einen ziemlich anstrengenden Job habe, versuche ich immer morgens vor der Arbeit zu laufen. Und was mich motiviert? Wieder mal der große, schlanke Mann an meiner Seite… manchmal schubst er mich aus dem Bett heraus… und zwingt mich zum morgendlichen Lauf:-)

Wie würdest Du Sportmuffel aus ihrer Lethargie reißen?

dsck8003.jpgEs ist wichtig, dass man Spaß an der Sache hat. Es gibt viele verschiede Sportarten, bei denen man sich körperlich betätigen kann. Man muss bloß das Richtige für sich entdecken. Wichtigste Rolle spielen hier psychologische Faktoren. Jeder Sportmuffel muss leider selbst rausfinden warum und welche Bewegungsart für ihn die beste ist. Man kann aber keinen zwingen Sport zu treiben. Ich kenne Frauen, die sich ekeln zu schwitzen oder behaupten, dass Sport sehr unweiblich ist, hier kann man leider nicht mehr helfen.

Du machst bei Veranstaltungen immer einen sehr ehrgeizigen Eindruck. Bist Du wirklich so zielgerichtet oder geniesst Du den Erfolg einfach als Ergebnis des umfangreichen Trainings?

Ich liebe das Laufen und im Leben bin ich ein Perfektionist. Entweder mache ich etwas gut oder lasse ich es sein.

Du bist nach dem Fehlen beim Auftakt in Erftstadt mit zwei Siegen in Kerpen und beim Halbmarathon am Otto Maigler-See im Cup sozusagen durchgestartet. Hattest Du die feste Zielsetzung, den Cup zu gewinnen?

Hehehe, „feste Zielsetzung“, das klingt so verbissen. Wie ich schon erwähnt habe, ich laufe ohne Plan. Ich melde mich immer kurzfristig an, weil ich nie weiß, wie es mit meiner Motivation am jeweiligen Tag bestellt ist, ich gehe zum Start und versuche einfach gut zu laufen. Alles andere klärt sich erst während des Laufs.

Gab es zwischendurch einmal Zweifel, das hohe Niveau über die ganze Saison halten zu können?

Natürlich, die Zweifel gibt es immer. Manchmal läuft es gut, manchmal bekomme ich ein Motivationtief. Rückschläge wie Krankheiten, Verletzungen etc. werfen mich aus dem Trainingsalltag zurück und manchmal mache ich mir meine Gedanken, ob ich überhaupt noch laufen kann.

In Brühl bist Du nach Deinem Zieleinlauf von Sanitätern behandelt worden. Was ist da während des Rennens und im Ziel genau passiert?

Ach Brühl… Es war viel zu heiß, ich war total dehydriert und hatte mich noch nicht akklimatisiert. Dummerweise habe ich an diesem Tag sehr wenig getrunken. Am Vortag kam ich aus dem Urlaub zurück, habe den halben Tag an Flughäfen und im Fliger verbracht, da habe ich ans Trinken auch nicht gedacht…

Kann man die Behandlung durch die Sanitäter eigentlich beeinflussen oder hat man kein Mitspracherecht im weiteren Ablauf?

Meine Behandlung konnte ich sehr wenig beeinflussen. Die Sanitäter haben sich wirklich sehr viel Mühe gegeben, ich wurde sehr gründlich untersucht, in die Notaufnahme gebracht und an den Tropf angeschlossen. Das dauerte ewig. Ich wollte nichts wie raus aus dem Krankenwagen, der Schock war bald vorbei, schon nach 10-15 Minuten gings mir wieder gut und ich wollte einfach gehen. Das war aber nicht mehr möglich, in der Notaufnahme lag ich frierend in meiner durchnässten Laufbekleidung und erst nach ca. 1 Stunde nach langem Bitten, Anflehen und Auffordern habe ich eine Patientenerklärung unterschrieben und wurde auf eigenen Wunsch entlassen.

Es war ziemlich peinlich, da zu liegen. Die Notaufnahme war voll. Die Ärzte sind hin und her gerannt, es wurden ständig kranke Menschen eingeliefert, und ich lag da, eigentlich fit, bereit aufzuspringen aber leider an die Infusion gefesselt. Ich fühlte mich wie eine Verrückte, die bei solcher Hitze „rennt“, dann kollabiert und den wirklich kranken Menschen den Platz im Krankenhaus weg nimmt.

In Wesseling hatten alle Teilnehmer erneut mit der drückenden Hitze zu kämpfen. Wie hast Du Dich nach Deinen Erfahrungen aus Brühl auf diesen 30 km-Lauf vorbereitet/eingestellt?

Ich habe einfach bewußt mehr getrunken.

Du bist bereits im vorletzten Jahr punktgleich mit dem dritten Rang auf einem sehr erfolgreichen 4. Platz im REA-Cup gelandet. Wie bist Du eigentlich auf die Serie aufmerksam geworden?

Wie immer… frag mal meinen Freund Timo:-)

Wie gefällt Dir der Ablauf des Cups? Gibt es ggf. Verbesserungsvorschläge, sollen z.B. noch weitere Veranstaltungen in die Serie aufgenommen werden?

Ich halte es für eine gelungene Idee, ein paar schöne regionale Läufe in einen Cup aufzunehmen. Das ist eine gute Werbung für die Region und für die Veranstalter.
Ich finde den Abstand zwischen den Läufen in Weseling und Bedburg sehr groß. Vielleicht könnte man in den Sommermonaten noch einen Lauf in die Serie aufnehmen.

Letzte und hoffentlich eher rhetorische Frage: Bist Du 2010 wieder dabei?

Zur Zeit sehe ich eher schwarz. Da ich aber ein spontaner Mensch bin, kann ich es nicht ausschliessen.

Liebe Agnieszka, vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Dir selbstredend baldige Genesung, weiterhin viel Erfolg und auch ansonsten alles Gute.

Alle Informationen zum Cup und noch viel mehr natürlich immer tagesaktuell bei Joe Körbs auf www.laufen-im-rheinland.de


Kommentar von Easy
Datum: 26. Januar 2010 - 11:12 Uhr

Eine super Idee Kai, habe das nette Interview mit Interesse gelesen.

Gute Besserung, Agnieszka,

„Leidensgenossin“ Easy… siehst Du, es gibt noch andere Kranke…!

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