laufmonster.de

Laufmonster.de

Wer lange läuft, der ist hier richtig!

Sauer macht dick

schnitt.jpgLaktat ist bislang vor allem als Energietrger im Stoffwechsel bekannt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut fr Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun jedoch entdeckt, dass es auch als Botenstoff wirken kann. Bei berernhrung spielt es die Rolle eines Dickmachers. Jetzt untersuchen die Forscher, wie sich durch ihre Ergebnisse Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit besser behandeln lassen. (Cell Metabolism, 6. April 2010)

Bei Sportlern ist Laktat, auch bekannt als Milchsure, wegen des Leistungsabfalls bei der bersuerung der Muskulatur gefrchtet. Der Laktatspiegel steigt aber nicht nur bei Sauerstoffmangel in der Muskulatur an. Laktat wird auch unter normalen Bedingungen in erheblichem Umfang im Krper gebildet und ist ein zentrales Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels: Nach einer Mahlzeit sorgt Insulin dafr, dass Fettzellen vermehrt Glukose aufnehmen. Ein Teil dieser Glukose wird in Fette eingebaut und auf diese Weise als Energiespeicher angelegt. Ein Groteil der Glukose wird aber in den Fettzellen in Laktat umgewandelt und freigesetzt. In der Leber kann daraus dann erneut Glukose gebildet werden. Die Freisetzung von Laktat ins Fettgewebe setzt aber gleichzeitig einen Mechanismus in Gang, den Forscher um Stefan Offermanns, Direktor der Abteilung Pharmakologie des Max-Planck-Instituts fr Herz- und Lungenforschung nun entschlsselt haben: Am Anfang ihrer Untersuchung stand die Entdeckung des Rezeptors GPR81. Dieses zur Gruppe der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren gehrende Protein wird vornehmlich auf der Oberflche von Fettzellen gebildet. Wird dieser durch Laktat aktiviert, hemmt er das Enzym Adenylylcyclase. Dadurch wird wiederum die Bildung des intrazellulren Botenstoffes cAMP vermindert, dem eine Schlsselfunktion beim Fettabbau zugeschrieben wird.

„Auf diese Weise hemmt eine Erhhung des Laktatspiegels im Fettgewebe den Abbau von Fett“, sagt Stefan Offermanns. So verhindert der Krper, dass nach Mahlzeiten – wenn bereits gengend Glukose zur Energiegewinnung vorhanden ist – noch zustzlich die Fettreserven mobilisiert werden. Unter normalen Umstnden trgt dies zu einer ausgeglichenen Energiebilanz bei. Nicht aber so bei einer energiereichen Ernhrung. Dann nmlich produzieren Fettzellen vermehrt Laktat, was den Fettabbau hemmt und zum Aufbau der Fettdepots beitrgt.

Milchsure wirkt nicht nur als Energiespeicher, sondern auch als Botenstoff

Laktat greift also als Botenstoff in den Fettstoffwechsel ein. Die Bad Nauheimer Wissenschaftler haben damit erstmals nachgewiesen, dass ein Zwischenprodukt des Stoffwechsels nicht nur eine Rolle als Energiespeicher besitzt, sondern den Stoffwechsel selbst in Hormon-hnlicher Weise beeinflusst. „Wir vermuten, dass auch andere Stoffwechselprodukte diese Fhigkeit besitzen“, so Stefan Offermanns.

Die wichtige Rolle des Laktats im Fettstoffwechsel demonstrierten die Forscher in Experimenten an Musen, denen der Rezeptor GPR81 fehlt. Diese so genannten Knockout-Muse nahmen weniger stark zu, wenn sie eine kalorienreiche Ernhrung bekamen. „Weil der Laktatrezeptor fehlt und somit der Fettabbau weniger stark gehemmt wird, konnten die Tiere unter diesen Bedingungen in der Summe nicht so viele neue Fettdepots anlegen“, erlutert Offermanns. Als nchstes wollen die Max-Planck-Wissenschaftler untersuchen, wie der GPR81-Rezeptor zur Vorsorge oder Behandlung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit genutzt werden knnte.

Originalpublikation: Kashan Ahmed, Sorin Tunaru, Cong Tang, Michaela Mller, Andreas Gille, Antonia Sassmann, Julien Hanson, Stefan Offermanns; An autocrine lactate loop mediates insulin-dependent inhibition of lipolysis through GPR81; Cell Metabolism, 4. April 2010 (doi:10.1016/j.cmet.2010.02.012)

Infos zum Foto: GPR81-Netzwerk auf Fettzellen. Die Fluoreszenzmikroskopie-Aufnahme zeigt einen Gewebsschnitt durch Fettgewebe. Die GPR81-Rezeptormolekle sind rot, die Zellkerne der Fettzellen sind blau gefrbt.

Quelle: www.idw-online.de

Kommentar verfassen

Nach oben scrollen