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Wer lange läuft, der ist hier richtig!

Wahre Worte mit Wirkung: Bericht aus Bonn

20120426001.jpgProlog: Achtung! Dies ist kein gewhnlicher Laufbericht, der folgende Text ist ein Manifest! Aus den Zeilen heraus kann man nur halbwegs ermessen, wie das Laufen das Leben eines Menschen ungemein umkrempeln und fr Erfolgserlebnisse ohnegleichen sowie eine vernderte Sicht auf die Dinge des Daseins sorgen kann (Anmerkung der Redaktion). Zum Eintauchen… Kennen Sie Frank Carbach? Jenen jungen Familienvater, der mit Frau und Kind in Hrth bei Kln wohnt? Ist er nicht bekannt als einer der ambitioniertesten Lufer seiner Altersklasse? Haben auch Sie schon von Ihm gehrt?

20120426002.jpgEine kleine Anekdote: Als lndlich verwurzelter Sprssling einer buerlichen Voreifel-Gemeinde begab ich mich, ein Obst- und Gemsehndler, auf den Weg, regionale Produkte auf dem Markt und an Haus und Hof feilzubieten. Stadteinwrts Richtung Kln wurde ich an Kundschaft fndig. So traf ich eines Tages auf einen selbstverstndlich ernhrungsbewussten Menschen, eben jenen oben erwhnten Frank Carbach! Es stellte sich zu meiner Verwunderung heraus, da Herr Carbach regelmig und verlsslich zu Hause war, und dies zu meinem Erstaunen hufig, mitunter fast immer, im Sportlerdress.

Schnell lie sich zwischen Stdter und Bauer eine Basis finden, gemeinsame Eindrcke wurden ausgetauscht, „gut“ die Politik und „bse“ das Wetter. Des Herrn Carbach Enthusiasmus fr persnliche Laufepisoden brachten in mir (zunchst) nur die eigentmlichsten Reaktionen hervor. Wieviel Kilometer? Wo luft der hin? Ist der bekloppt! So ein Spinner! Der hat se nit mi all!

Es vergingen Monate, ja Jahre und die Begeisterungsfhigkeit fr den Wettkampf und die damit verbundenen Erfolgsgeschichten des Herrn Carbach lieen bei allen Besuchen nicht nach. So geschah, was geschehen sollte und dieser Mensch mobilisierte doch tatschlich mich schwerflligen gemtlich bergewichtigen Mittvierziger zu einer privaten nachmittglichen Wassersportseeumrundung. Als ehemals jugendlicher Sportfanatiker holte ich beim gemeinsamen Lauf alles aus mir heraus und Frank war berzeugt:“Du schaffst noch mehr!“

Ich wurde mit Literatur berhuft, „42 Tipps fr 42 km“ von der lokalen Volksbank, „Klger laufen“ von Sam Murphy aus Amerika und Herbert Steffnys Bibel fr Lufer. Telefonate, Trainingsrunden, Termine, Wettkampfvorbereitung wurden peu a peu diskret mit auf den Weg gegeben. Inspirator und dauerhafter Mentor war d FC, Frank Carbach. Ein zwischenzeitliches Klassentreffen der 10. Klasse als auch des Abi-Jahrgangs lieen in mir erste ngste vor dem nchsten zu feiernden Geburtstag aufkommen. Fourty Seven, vier und sieben, (darf eigentlich keiner wissen ). 14. April 1965 bis 14. April 2012, dann kam irgendwann d FC in mein Leben, „Du schaffst noch mehr!“

20120426003.jpgStationen auf dem Weg nach Bonn zu einem Marathon… Training und erster Wettkampf fr 42 km kamen, also meldete mich Frank erst einmal zu einem Halbmarathon an. Oktober 2011, Kln. Bei prchtigen Wetterverhltnissen, der aufgehenden Sonne entgegen ber die Deutzer Brcke mit Tausenden sportlich ebenso gesinnten Mitmenschen zu laufen bertraf alle meine zuvor gehegten Erwartungen, es war, man kann es kaum beschreiben, ein erhabenes Gefhl. Hart erkmpfte 1.45 h waren das Resultat.

20120426008.jpgOktober 2011, drei Wochen spter, Refrather Halbmarathon, am Fue des Bergischen Landes. Einsame, nicht enden wollende Waldstrecken wurden zur Qual in gefhlten 2 1/2 Stunden und angeblich nur 1.50 h. Wieder rgerte mich tagelang der Muskelkater. FC Carbach blieb unnachgiebig, denn es sollte noch einen Silvesterlauf ber 10 km geben. Gelaufen wurde bis an die Schmerzgrenze mit der Devise, blo den „Manni“ nicht aus den Augen zu verlieren. Mit 46:37 min. ein letztes Mal ein Zieleinlauf in diesem Jahr 2011.

Januar, Februar und Mrz blieben als Wintertrainingsmonate mit Februar-Temperaturen von bis zu -10 Grad. Sie kennen Frank und seine Laufmonster-Freunde nicht: gelaufen wurde trotzdem mit doppelt umwickeltem Schal, Handschuhen und Pudelmtze gegen die totale Eisesklte. Und immer schn locker bleiben, dabei mindestens drei Mal die Woche trainieren.

Der groe Tag rckte nhe, ein Geburtstag wurde verdrngt, entscheidend wurde der 22. April 2012. Und er kam mit Hoffen und Bangen. Sollten Sehnen und Bnder halten? Denn gelegentlich bereifrige Trainingseinheiten wurden den alternden Knochen zum Problem, Gott sei Dank nicht zum Verhngnis. Durch Strategieanweisungen von „FC“ Carbach wurde mir klar gemacht, das „Rennen“ nicht zu schnell anzugehen. „Spar Dir Deine Krfte fr die zweite Hlfte!“

20120426004.jpgAus der Erfahrung meiner zwei Halbmarathons klammerte ich mich an die Vorstellung, auf 40 km bis zu acht Verpflegungsstationen ausschpfen zu knnen. Die Wetterverhltnisse waren perfekt, dem ganzen Monat entsprechend keine Hitze, milde Temperaturen, gelegentlicher Nieselregen. Ich lief mglichst energiesparend weniger schnell als mein persnliches Trainingstempo und war bei km 20 berrascht, wie angenehm smtliche links und rechts des Weges gewonnenen Eindrcke auf meine Kondition wirkten.

Als frohlockendste Begleiterscheinung empfand ich all die jecken Bonner mit ihren privaten Einladungen, so z.B. ein Bier mit zu trinken. Selbstverstndlich erwies sich dies als zu riskant und ich konzentrierte mich auf konsequentes Auffllen meines Kraftstoffpotentials mit 8 x zwei Bechern, links immer Wasser, rechts immer Dextro-Energie, also insgesamt 16 Becher Flssigkeit. Dreisterweise begab ich mich nicht an wohlproportionierte Bananenstcke, sondern steckte mir ab km 20 links in die eine Hosentasche, rechts in die andere Hosentasche jeweils eine ganze Banane.

Im Verlaufe des Rennens brachte ich es hiermit sicherlich auf sechs Stck Bananen. Beachtlich, nicht wahr? Hinzu kam der kstliche Reifegrad, der ziemlich nah an „optimal“ war, einen cremigen Dank an die Firma Rewe. Mein Ergebnis sollte werden: 3:35:13 h mit 3 Litern Wasser und 1 kg Bananen! Schwer wurde das Rennen, um das noch schnell zu schildern, wie vorab „gewarnt“, nach km 30. In diesem Bereich der Strecke sollte ich verstrkt darauf achten, ein sauberes Abrollen des Fues mit weit nach vorn greifenden Schritten und nach hinten hoch geworfenen Unterschenkeln durchzuhalten.

20120426006.jpgNachdem ich ein oder zwei Sportskameraden mit krampflsenden Dehnbungen an der Strecke hinter mir lie, beherzigte ich diesen Ratschlag so gut es ging. 3.000 m vor dem Ziel schaltete ich das Denken ab und strich das Wort „Scheie“ aus meinem Vokabular. 14 Uhr und fnfzehn Minuten, hurra, es ward vollbracht! Nett fand ich im Schlohofpark die vertraute Atmosphre und Versorgung der ins Ziel gelaufenen Athleten. Allerdings hatte ich nach so viel Obst gar keinen Appetit mehr auf ein Schmalzbrot, welches ich dann doch noch lobpreisenderweise in mich hineindrckte.

Interessant fand ich auch den Jesus-Jnger, der in Hhe der Rheinauen rief: „Jesus rettet aus dem Tod heraus in das ewige Leben bei Ihm“. Meinen Trainer „FC“ Carbach habe ich 2.000 m vor dem Ziel noch eingeholt (fett!). Ja, lieber Frank schlussendlich opfert man sich doch fr irgendwen auf!

Hier meinen ganz speziellen herzlichen Dank an diesen Sympathietrger:

  • Fr das Erreichen eines Lauf-Rausches bei langer Strecke
  • Fr die dabei erfahrene Ausschttung an Endorphinen
  • Fr die einhergehende Naturerfahrung von Luft, Sonne, Wind und noch mehr.
  • Fr die soziale Komponente, sprich Apres-Sport!

MERCI VIELMALS
Sportliche Gre
Euer Thomas Leonhardt

Fotos: Kai Engelhardt

Der Sonnenknig beim 15. Kln Marathon…

20120426005.jpg20120426007.jpgFotos von Thomas Leonhardt aus 2011

Ergebnisse/Veranstalter

5 Kommentare zu „Wahre Worte mit Wirkung: Bericht aus Bonn“

  1. Hallo Thomas !

    1.) Herzlichen Glckwunsch zum ersten Marathon !
    2.) Herzlichen Glckwunsch zu der fantastischen Zeit !
    3.) Herzlichen Glckwunsch nachtrglich zum Geburtstag !
    4.) Ein fantastischer Bericht – wahrlich ein Manifest, welches eigentlich einen Platz in der einschlgigen Presse verdient htte. Solltest Du vielleicht mal an die „Runners World“ schicken, da gibt es ja die Rubrik „mein erstes Mal“.
    5.) Weiter so, in jederlei Hinsicht!
    6.) sptestens JETZT bist Du ein LAUFMONSTER !
    7.) Dass der „FC“ verrckt ist, wissen wir alle – und es ist auch gut so :)

    Sportliche Gre,
    Manuel

  2. Hallo Thomas,

    da kann ich mich den Kommentaren von Manu und Kay nur anschlieen. Herzlichen Glckwunsch zum tollen Ergebnis beim ersten Marathon, den man nie vergisst. Sehr schner Bericht, der das Gefhlsleben und den Aufstieg eines wahren Lufers eindrucksvoll wiedergibt. Und ein wenig verrckt sind wir ja alle. 42 Km ber Asphalt mit Menschenmassen die Fe platt treten und dafr auch noch bezahlen. Monstermig!
    Bis Frechen! Dann aber nur ber 5 km!

    Gute Erholung
    Harald

  3. Hallo Sonnenknig!

    Herzlich Willkommen bei den Laufmonstern und versptete Glckwnsche zum ersten Marathon und zum Geburtstag natrlich. Super Zeit, also die Marathonzeit (nicht Dein Alter :o))

    Liebe Gre und danke nochmal fr die leckeren Erdbeeren (die natrlich schon weg sind),
    Tanja

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