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Jeder Läufer hat seine Geschichte: Straßenlauf-EM in Upice

2013-05-26-00970.jpgVor 10 Jahren, als ich mit dem Laufen begann, hätte ich nie daran gedacht, einmal an einer Europameisterschaft teilzunehmen. Nun ist dieses Erlebnis bereits Vergangenheit und ich weiß, dass viele an diesem „Nichtvorstellbaren“ beteiligt sind bzw. waren. Allen voran meine Ehefrau Griet, die mich, ganz Edelfan, nicht nur in sportlichen Angelegenheiten, unterstützt, meine Aktivitäten zulässt und mich bei meinen Wettkämpfen, wann immer es geht, begleitet. Aber der Reihe nach.

201205176110.jpgVor 10 Jahren fragte mich mein Freund Ralf, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm einmal den Berlin-Marathon zu bestreiten. Zur damaligen Zeit fand ich es unvorstellbar, solch eine Strecke zu bewältigen. Zu der Zeit ließ ich meine Fußballerkarriere langsam in der Merzbacher Alt-Herrenmannschaft ausklingen und suchte im Laufen ein anderes, nicht so körperkontaktintensives Betätigungsfeld. Laufen lag mir eigentlich, denn ich musste meine technischen Defizite mit dem Ball durch Ausdauer und Einsatz ausgleichen. So begann ich mit Ralf als Team Lukullus (in Anlehnung an unsere Lieblingsfleischplatte Nr. 40 bei unserem Lieblingsgriechen in Bonn) für unser gemeinsames Ziel zu trainieren. Nach unseren ersten beiden gemeinsamen Wettkämpfen (Rund um die Insel Grafenwerth und dem Halbmarathon in Alfter) musste Ralf, wegen Arthrose im Knie, seine läuferischen Ambitionen aufgeben. Für mich ging es als Einzelkämpfer unter dem Namen „Lukullus Meckenheim“ weiter.

2013-04-14_00735.jpgJe länger ich kontinuierlich nach „Trainingsplan a la Frank“ trainierte, umso besser wurden meine Ergebnisse. Dies schien seinerzeit auch Thomas Schneider nicht entgangen zu sein. Er „baggerte“ an mir rum, doch für eine M45er Marathonmannschaft zur SSG Königswinter zu kommen. Eigentlich war bis dahin mein Ansinnen gewesen, unabhängig von einem Verein, meinem Hobby ohne Zwänge nachzugehen. Ich kannte bereits einige Läufer der SSG, die mir, zugegebenermaßen, allesamt sympathisch waren. Daher entschied ich mich für das Vorhaben Marathon-Mannschaft ein Jahr dem Verein beizutreten, verbunden mit der Vorgabe, danach wieder mein eigenes Ding zu machen. Es kam natürlich anders, denn meine Vereinskollegen machten es mir mehr als schwer, mein Vorhaben, nur ein Jahr der SSG anzugehören, auch wirklich umzusetzen. Obwohl ich in Meckenheim wohne und auch überwiegend vor meiner Haustür trainiere, war dies für meine rechtsrheinische Vereinszugehörigkeit kein Hindernis, vielleicht sogar eine rheinübergreifende Verbindung.

2013-04-14_01310.jpgWas habe ich für tolle Erfolge mit meinen SSGlern erringen können. Mit Thomas Schneider und Norbert Müller konnten wir den erhofften Marathon-Teamtitel bei der DM gewinnen, mit Thomas Mauel und Thomas Nikolay, die sich beim Mainz-Marathon so vorbildlich engagierten, sprang eine überraschende Bronzemedaille heraus und Guido Simons, der sich für die für ihn ungewohnte Halbmarathondistanz extra mehr als ein halbes Jahr lang für das Team mit Thomas Schneider und mir vorbereite und quälte, wurde vor kurzem mit dem Deutschen Mannschaftstitel ein Traum wahr. Mit Gregor Althaus und Thomas Schneider konnten wir im Marathon-Team Silber erkämpfen, mit Winni Penno wurden wir (inkl. Guido Simons) Westdeutscher Berglaufmeister und mit Hermann Ulrich und Thomas Schneider Westdeutscher Halbmarathonmeister in der Gesamtwertung. Was für erwähnenswerte Teamkollegen, die schon seit Jahren unserem Verein die Treue halten. Ich hoffe, ich habe keine(n) vergessen.

2013-05-26_00001.jpgUnd nun war ich bei meiner ersten Straßenlauf-Europameisterschaft in Upice (mit den Nachbargemeinden Havlovice, Svato?ovice und Radvanice), die zum dritten Mal (1993, 2003, 2013) Ausrichter einer Straßenlauf-EM waren. Dies ist mein absoluter Höhepunkt für das erste Halbjahr auf meinem Terminplan gewesen. 672 Teilnehmer aus 28 Nationen hatten für die Straßenlauf-EM vom 23. bis zum 26. Mai 2013 in der tschechischen Stadt gemeldet.

Am Donnerstag (23. Mai) ging es los. Nach 820 Kilometern und 8,5 Stunden Autofahrt kamen Griet und ich gegen 16:00 Uhr im Hotel in Vrchlabi (Hohenelbe) an. Anschließend fuhren wir direkt weiter in das ca. 42 km vom Hotel entfernte Upice, wo am Freitag die 10 km und am Sonntag der Halbmarathon gestartet werden sollten. Hier wurden im Wettkampfbüro Startnummern, Championchips und alle weiteren Unterlagen ausgeteilt.

In der für 18 Uhr anberaumten Mannschaftsbesprechung für die deutschen Teilnehmer wurde mitgeteilt, dass nun innerhalb der Mannschaftswertung doch die AK-Einteilung in 5er-Schritten, wie anfangs geplant und später zwischenzeitlich auf 10er-Schritte abgeändert, beibehalten wird. Es sollten tatsächlich die AK 35/40; 45/50 und 55/60 zusammengefasst werden. Der Widerstand der nationalen Verbände war wohl erheblich und führte zu einer Änderung der Regularien.

Um 21 Uhr waren wir wieder im Hotel zurück, haben etwas gegessen und sind platt ins Bett gefallen und direkt eingeschlafen. Vor unserem Fenster rauschte die Elbe, doch das hat uns in der ersten Nacht nicht gestört.

Am Freitag wurde es dann Ernst. Um 15 Uhr fuhren wir nach Upice, wo um 18 Uhr der Start über 10 km erfolgte. Die Anspannung und die Nervosität waren sehr groß. Welcher Stellenwert dieser Europameisterschaft beigemessen wurde, zeigte die Anwesenheit der sogar mitlaufenden Premierminister der Tschechei Vladimir Spidla und der Slowakei Mikolas Dzurinda, wie auch der prominenten 80er Jahre 800 Meter-Läuferin Jarmila Kratochvilova, die den Startschuss abgab.

In einem mächtigen Gedränge ging es sofort in einem engen Korridor auf Kopfsteinpflaster mit Splitbelag ein 500 Meter langes Gefälle herunter. Rangeleien blieben auf den ersten hundert Metern nicht aus. Dieses Gefälle musste zum Schluss auch wieder hoch gelaufen werden.

Nach vier Kilometern wusste ich schon, dass ich an diesem Tag keinen raushauen konnte. Der Gegenwind, der leichte Regen und die leichte, ständige Steigung mit den knackigen Höhenmetern am Berg zum Dorfplatz am Schluss auf dem Rückweg der Wendepunktstrecke sind allerdings keine Entschuldigung für eine Endzeit von 35:52 min. Es lief einfach nicht an diesem Tag.

Trotzdem konnte ich als 7. Gesamt und als zweiter Deutscher in der M50 direkt hinter Uwe Bernd (35:33 min.) einlaufen und eine Teamplatzierung erreichen. Da zwei gute deutsche M50er zwar gemeldet, aber nicht gestartet waren, kam es nun auf den dritten Deutschen an. Dieser war Ulrich Grewe, der als 25. Gesamt in 42:27 min. finishte und dem deutschen Team eine Bronzemedaille hinter den Teams der Schweizer und den Tschechen sicherte.

Jetzt konnte ich nur hoffen, dass es am Sonntag für mich besser läuft, denn bei diesem Wettbewerb war die deutsche Konkurrenz schon anhand der Meldeliste weitaus stärker. Ich habe abends meinen „Frust“ über meine persönliche Leistung mit zwei schönen Pivos (0,5 Liter für umgerechnet 80 Cent) erträglicher gemacht. Nach einer kurzen Zeit freute ich mich über den Erfolg in Form der gewonnenen Medaille und der Gewissheit, eine Bronzemedaille für die SSG Königswinter gewonnen zu haben und ins Rheinland zu bringen.

Am Samstag gönnte ich mir erst einmal zwei Massagen für die Beine und nach zwei weiteren leckeren Bier am Abend ging ich am Sonntag mit sehr gemischten Gefühlen an den Start.

Es war windig, der Kurs hatte zwei Wendepunkte und 130 Höhenmeter. Normal nichts worüber man sich Gedanken macht, aber nach dem 10er am Freitag wusste ich nicht, wo und wie ich dran war.

Mit Thomas Ruminski, Frank Löschner, Uwe Bernd, Jürgen Götte und Edgar Morschhäuser machten sich mit mir direkt sechs deutsche Läufer Hoffnungen am Ende unter die ersten drei Deutschen ins Nationalteam zu laufen. Somit war das deutsche M50 Team richtig stark besetzt, was sich nachher beim Zieleinlauf auch bewahrheiten sollte.

2013-05-26_00002.jpgDer Start erfolgte, wie bereits am Freitag, vom Dorfplatz. Die ersten 9,5 Kilometer waren mit der 10 km-Strecke identisch. Ich bin die ersten 10 km dann auch in derselben Zeit wie am Freitag durchgelaufen, fühlte mich aber wesentlich besser. Bis zum zweiten Wendepunkt bei Kilometer 15 hatte ich zum zweiten und dritten Deutschen gute 200 Meter Vorsprung. Bis km 19 war ich auch noch vorne, als mich Thomas Ruminski überholte und mich noch 1 km mitzog. Verbunden mit dem Hinweis, dass gleich noch mindestens zwei Deutsche kommen.

Meine Beine ließen mich aber langsam im Stich und die Kilometer vom Freitag schienen sich zu rächen. Auf den letzten 500 Metern kam dann diese erbarmungslose Steigung zum Dorfplatz und ich hatte das Gefühl fast stehen zu bleiben. 20 Meter vor dem Ziel wurde ich noch von Frank Löschner überholt, der in 1:18:17 h eine Sekunde vor mir ins Ziel kam. Mein erster Gedanke war: „Ich bin ins Team gelaufen“. Thomas Ruminski konnte als schnellster Deutscher in 1:18:03 h die Ziellinie überlaufen. Die anderen drei Deutschen sind alle kurz dahinter rein gekommen und hätten als 2. Team sogar den 2. Platz in der Gesamtwertung erreicht. Leider ist das lt. Reglement nicht möglich.

Die Zeiten der übrigen Deutschen zeigen, wie knapp das innerdeutsche Resultat war, denn Jürgen Götte in 1:18:29 h und Edgar Morschhäuser in 1:18:34 h waren ganz, ganz knapp hinter mir. Uwe Bernd konnte nach 1:19:44 h ins Ziel einlaufen.

Lange Zeit wussten wir nicht, wozu diese geschlossene Mannschaftsleistung reichte, denn die Schweizer hatten wieder, wie beim 10er, zwei bärenstarke Läufer am Start (und auch im Ziel mit 1:13:39 bzw. 1:15:47 h). Wann der dritte Schweizer rein kam, konnten wir so schnell nicht in Erfahrung bringen. Daher sind wir (Griet und ich) erst einmal ins Hotel gefahren und kehrten um 16:30 Uhr zur Siegerehrung wieder nach Upice zurück, um uns überraschen zu lassen. Ich war nervös und aufgeregt, aber auch gespannt. Im Wettkampfbüro wurden die Ergebnislisten ausgehangen und ich suchte nach der Mannschaftswertung. Und hier stand es schwarz auf weiß: Deutschland vor Polen und den Tschechen. Die Schweizer hatten offenbar keinen dritten Mann gemeldet bzw. ins Ziel gebracht.

2013-05-26_00005.jpgEs war ein tolles Gefühl, die Goldmedaille um den Hals gehangen zu bekommen und für mich ein Bedürfnis, dabei die Vereinsjacke der SSG zu tragen. Wenn Thomas Schneider und Klaus Müller mich nicht bearbeitet hätten, zur SSG zu kommen und für Königswinter zu laufen, dann hätte ich dieses Erlebnis nie genießen dürfen. Auch die immer wieder von den Vereinskolleginnen und -kollegen entgegengebrachte Anerkennung und Aufmunterung ließ mich spüren, dass ich mich für den richtigen Verein entschieden habe. Gerade im vorletzten Jahr, in dem ich große Beschwerden (mit der Motivation und dem Piriformis Muskel) hatte, war diese Unterstützung für mich sehr wertvoll. Ein besonderes Dankeschön gebührt aber auch meinen Freunden und Laufpartnern Miguel, Ingmar und Andreas Nickenig, die mich in dieser Zeit nicht hängen ließen, für mich da waren und immer noch sind.

Überglücklich und mit zwei Medaillen im Gepäck konnten Griet und ich am Montag die Fahrt nach Hause antreten und diese Woche den Urlaub genießen. Die nächsten Ziele im zweiten Halbjahr stehen bereits auf dem Plan. Wie heißt es so schön – nach dem Lauf ist vor dem Lauf.

Ergebnisse:

10 Kilometer Einzel, 10 km Mannschaft, Halbmarathon Einzel, Halbmarathon Mannschaft

2013-05-26_00004.jpg

3 Kommentare zu „Jeder Läufer hat seine Geschichte: Straßenlauf-EM in Upice“

  1. Hallo Frank,

    auch von mir einen herzlichen Glckwunsch zu den Medaillen und berhaupt zur Leistung der letzten Jahre!
    Auch ich habe als ehemaliger Fuballer erst vor etwa 7 Jahren mit dem aktiven Laufen begonnen, konnte mich steigern und inzwischen auch an Meisterschaften teilnehmen. Werde aber Deine Erfolge nicht mehr erreichen knnen. Weiter so!

    VG LM Harald

  2. Hallo Frank,

    das ist eine tolle Geschichte – sehr persnlich! Nun hast Du Deine Karriere vorlufig gekrnt :) Unglaublich. Wenn ich es einem besonders gnne, dann Dir.
    Geniee Deinen Erfolg in vollen Zgen, und…..
    Weiter so!!!

    LG (auch an Griet),
    Manuel

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