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Torsten Trems: so lief der Köln Marathon

Laufbericht von Torsten Trems zum Köln Marathon 2012 – Gänsehaut garantiert: Bereits vorweg: mir wird es schwer fallen, sämtliche Gefühle, Emotionen, Schmerzen, Freud und Leid in Worte zu fassen. Mit dem folgenden Text versuche ich nun einen authentischen Bericht zu verfassen. Vielleicht gelingt es mir ein wenig, Euch mit in den Bann zu ziehen und Ihr fühlt Euch wie ein Teil der Geschichte rund um den Köln-Marathon und diese grandiose Spendenaktion für den Förderverein für krebskranke Kinder Köln e.V..

Bereits am Samstag fand das Sportlerfrühstück im Hotel Park Inn Belfortstrasse statt. Wir erhielten unsere Startunterlagen, haben die ersten Fotos geschossen, erste Spenden wurden gesammelt (an dem Vormittag stieg das Spendenbarometer bereits auf 700 Euro) und wir erhielten unsere neuen Teamtrikots. Und da das erste Problem: ich habe M bestellt, allerdings war M wie XXL – ein Zelt. Zum Glück erhielt Manuel Skopnik ein „altes“ M (alte Kollektion). So kam es wie es kommen musste: der erste Trikottausch noch vor dem Start.

Nachmittags zu Hause die akribische Vorbereitung: Sachen rauslegen, genaue Taktik austüfteln inkl. Ernährungsplan, Streckenplan für Berit vorbereiten (damit der beste Support gewährleistet ist), Wettervorhersage studieren, Nudeln und Bananen essen, viel Trinken und Ausruhen. Achja, lockerer Trainingslauf: 6 km. Anhand der Vorbereitung seht Ihr, dass die Anspannung und Nervosität auf dem Höhepunkt angekommen ist. Sonntag sind wir dann früh aufgestanden. Zum Frühstück gab es zwei Toast mit dick Marmelade und 2 Tassen Kaffee – lecker. Ich fühle mich richtig gut.

Auf zum Start und schon das nächste Problem: die S-Bahn hat 20 Minuten Verspätung. Das stellt natürlich für uns kein wirkliches Hindernis dar, da wir ausreichenden Zeitpuffer eingeplant haben. In Köln angekommen erstmal sortieren. Die Halbmarathon-Läufer kommen bereits ins Ziel (Startzeit 8:30 Uhr). Die ersten bekannten Gesichter treffe(n) ich/wir. Manuel Skopnik, mit dem ich schon so einige tolle Wettkämpfe bestritten habe und der inzwischen ein richtig guter Laufkumpel geworden ist, steht auch schon bereit. Er wird es heute etwas lockerer angehen und möchte den Köln-Marathon „nur“ genießen (er wird in 2:45 h finishen).

Ca. 1 h vor dem Start gibt es eine Dose Red Bull. Das muss sein und bringt so einiges. Dann treffen wir Thomas Bornemann (er feiert sein Marathondebüt – entsprechend nervös ist er, am Ende SUPER-Zeit in 3:23 h) und Boris Salewska (der Ehemann von Sonja, der Organisatorin aus dem Hotel Park Inn Belfortstrasse). Wir joggen (ja – JOGGEN) uns ein. Dann nochmal der letzte Toilettengang. Kurz vor dem Start treffe ich noch Jürgen Ley. Er wird mich heute 42 km auf dem Rad begleiten. Er erhält meine Marschtabelle (genaue Zwischenzeiten pro 5 km) und den Ernährungsplan. Letzte Absprachen.

Dann zum Startblock: nun die nächste Überraschung. Der Start verzögert sich um 10 Minuten. Hat das was mit der Verspätung der S-Bahn zu tun? Wohl eher nicht. Irgendwie ist das ein Grundproblem in Köln – leider jedes Jahr. Die vorherigen Wettbewerbe haben sich verzögert, so dass wir nicht pünktlich starten dürfen. Nichtsdestotrotz auf in den Startblock. Erste Reihe im roten Block. Direkt hinter der afrikanischen Elite. Ich sehe eine Reihe von bekannten Gesichtern. Klar: Manuel ist bei mir. Thorsten Wienecke, Jochen Kümpel, Frank Apfelbaum, Torsten Schneider, und und und: das ist Köln! Auf geht´s!!!

Tom Bartels und Mocki heizen die Stimmung an. Es geht los! Peng! Die ersten Meter heißt es sich konzentrieren. Es ist eng und schnell. Und geht direkt die Deutzer Brücke hoch. Schön locker bleiben und nicht überziehen. Bereits nach 500 Metern Menschenmassen! Und das erste bekannte Gesicht: Christine Hofmann aus unserem Central-Laufteam. Die Menschen rasten bereits jetzt aus, was soll das noch werden? Nach der Deutzer Brücke geht´s am Rhein Richtung Norden. Nun heißt es wirklich das Tempo finden und die geplanten km-Splits ganz genau einhalten, denn „vorne verliert man Sekunden und hinten Minuten“. Jürgen ist sofort an meiner Seite. Er hat das Feld im Blick und auch genau meine Zeiten. Er wird mich bremsen, wenn ich zu schnell laufe.

Nach km 2 ist dann auch bereits klar, dass es ein einsames Rennen werden wird. Ich versuche eine homogene Gruppe zu erwischen. Aber es sieht nicht so gut aus. Leider ist es unrhythmisch und ich finde einfach keinen passenden Mitstreiter. Leider rede ich auch sehr viel – mir geht´s gut und ich fühle mich stark und dann wieder die vielen Zuschauer: das wird sich schnell rächen. Bei km 6 haben wir die nördlichste Spitze erreicht und es geht nun lange Richtung Süden. Und nun ein dickes Problem: der Wind ist böig und ich alleine. Auch Jürgen fällt wenig ein. Was tun? Zurückfallen lassen, nee, zu weit. Nach vorne laufen, nee, zu weit. Und so stehe ich im Wind. Mir fällt es nun richtig schwer. Ich bekomme Seitenstiche. Nun Konzentration und die Ruhe wiederfinden. Schwierig bei starkem Gegenwind. Es gelingt mir dann aber.

Bei km 10 sind die Seitenstiche weg und die Zwischenzeiten stimmen. Nun rückt eine kleine Gruppe vor mir näher. Meter um Meter mache ich gut, so dass ich bei km 13 aufschließe. Nun schön ein paar km Windschatten genießen. Ich erhole mich gut. Die Gruppe führt Frank Apfelbaum an. Bei km 17 erreichen wir in Rodenkirchen den südlichsten Teil der Strecke am Rhein. Wirklich eine Stimmungshochburg: dicht gereiht werden wir wahnsinnig angefeuert. Ich gebe nun etwas mehr Gas. Es geht zurück nach Norden und wir haben nun Rückenwind – den verspüre ich auch. Unsere kleine Gruppe wird durch meine Tempoverschärfung gesprengt. Zwei Top-Läuferinnen hängen sich bei mir ran. Es läuft nun Super. Jürgen erweist sich als ein grandioser Begleiter: ständig die Uhr im Blick. Zwischenzeiten checken. An die Ernährung denken. Facebook informieren, Berit informieren, Fotos machen etc.

Die beiden Damen bei mir haben auch Ihre Begleitung auf Fahrrädern. Jürgen lernt einen kennen und wir unterstützen uns alle gemeinsam. Wahnsinn. Richtig großer Sport. Wir wachsen zu einer Leidensgemeinschaft zusammen. Eine von Ihnen ist Ilona aus Riga. Sie alleine hat zwei Begleiter: der Manager; ihr Freund und Trainer. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen ist, dass wir gemeinsam bis ins Ziel laufen werden. Die zweite Frau verabschiedet sich relativ schnell von uns nach hinten. Bei km 21 geht´s in die Innenstadt. Die Stimmung ist gigantisch. Mein Tempo ist sehr gut. Ich fühle mich stark. Nun geht´s zu den Ringen über den Neumarkt und Rudolfplatz zum Barbarossaplatz. Gefühlt steht an jeder Ecke ein bekanntes Gesicht. Ilona ist weiterhin bei mir. Allerdings zeigt sie kein Interesse auch mal die Führungsarbeit zu leisten. Okay, so ist es eben.

Bei km 27 erreichen wir die Luxemburger Str./Sülzburgstr. Wieder ein absolutes Stimmungsnest. Wieder viele bekannte Gesichter: Erika, Marek und Monika. Ich bin inzwischen hochkonzentriert und gebe Gas. Die Zwischenzeiten sind perfekt! Nun folgt die Dürener Str. und Aachener Str. Und da passiert etwas, was einfach bei einem Marathon passieren kann. Ich bekomme Krämpfe. Wir haben gerade km 30 erreicht. Ich muss nun aufpassen und das Tempo dosieren. Nun heißt es einfach: hoffen, dass die Krämpfe sich wieder legen. Wir treffen unseren „Trainer“ Gregor, Alex, Matthias und und und. Ilona hängt weiter an meinen Popo. Wir erreichen wieder die Partymeile Rudolfplatz. Die Stimmung ist sensationell. Nun muss Ilona vor mir. Ob sie will oder nicht. Bei mir heißt es jetzt Schadensbegrenzung. Jeder Schritt muss wohldosiert sein und das ist bei Tempo 3:55 min. pro km nicht so einfach.

Und dann das nächste Unglück bei km 33,5: da Ilona eine Top-Läuferin ist, fährt ab und zu auch ein Fahrzeug vom Veranstalter neben uns. Jürgen unterhält sich mit dem Fahrer. Und dann kurz nicht aufgepasst: Jürgen fährt mir in die Hacken. Nun habe ich einen richtigen Krampf. Ätzend. Nun nicht hadern, sondern konzentrieren. Locker traben, der Krampf geht weg und dann wieder locker beschleunigen. Ilona ist nun kurz enteilt. Ich fange mich und kann wieder mein Tempo aufnehmen. Leider nicht das geplante Renn-Tempo, aber das hab ich ja schon seit km 30 nicht mehr drauf. km 35,5: der Weiße Holunder. Das ist die „offizielle“ Partymeile unseres Marathon-Teams. Kai Engelhardt (einer der Treiber der Laufgruppe „Laufmonster“ und Initiator der Spendenaktion) hat das Mikro und kündigt mich an. Ich höre bereits von weitem die krasse Stimmung. Sensationell. Ich erwische mich mit Gänsehaut!

Ab diesem Zeitpunkt sollte ich mich nun wieder fangen und kurze Zeit später bin ich wieder bei Ilona. Nun kassieren wir noch den ein oder anderen Läufer. Wir kommen nun über die Ringe wieder zum Rudolfplatz. Bei km 38 sind wir tatsächlich wieder eine kleine Vierer-Gruppe. Jeder für sich muss nun alles geben. Die letzten km sind einfach purer Rausch. Die Stimmung, die totale Erschöpfung, das Ziel vor Augen und dann… – geht´s nochmal zum Dom. Und über Kopfsteinpflaster Richtung Deutzer Brücke zum Ziel. Auf der Gürzenichstr. erreichen wir km 41. Die Zeit habe ich inzwischen aus den Augen verloren. Jürgen gibt nochmal letzte Infos. Und dann ab 41 der Schlussspurt (bis dahin dachte ich, dass das im Marathon nur so heißt).

Bei mir sollte es tatsächlich ein krasser Sprint werden. Die Deutzer Brücke hoch und dann Vollgas ins Ziel. Tom Bartels und Mocki haben mich übers Mikro angefeuert. Jürgen hat mir den Puffer auf die 2:38 h ständig zugebrüllt. Mein Kopf einfach abgestellt und dann nur an die Wette gedacht! Die Krämpfe spielen keine Rolle mehr (keine Ahnung wie so was geht). Und dann stoppt die Uhr. Ich habe zunächst nur das Gefühl, dass es gereicht hat. Und dann der schnelle Blick ins Internet: 2:38:59 h!!! Geschafft und ÜBERGLÜCKLICH!!! Den letzten Kilometer bin ich in 3:33 min. gelaufen!! Wahnsinn! Ilona und die anderen zwei kamen ca. 30 Sekunden nach mir ins Ziel.

Ein Wort zu Jürgen: Jürgen war eine sensationelle Unterstützung – trotz des kleinen Missgeschicks. Er hat mich wahnsinnig mental unterstützt. Gerade bei den schwierigen Abschnitten ab km 30. Auch beim Schlussspurt konnte er die letzten Prozente bei mir rauskitzeln. Ich bin überzeugt: ohne ihn hätte ich wahrscheinlich an diesem Tag die 2:40 h nicht geknackt. Im Grunde war es nicht mein Tag. Solche Krämpfe zu diesem frühen Zeitpunkt waren neu. Umso mehr bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Marathon ist eben Marathon. Jedes kleine Element muss passen. Passt ein kleines Teilchen nicht, wird´s bereits hart und natürlich eng. Ein weiterer ganz wichtiger Erfolgsfaktor ward Ihr: An der Strecke, als Wettpate oder nur als Interessierte! Der Support war einfach unbeschreiblich!! Wie gesagt – es fällt mir schwer das Erlebte in Worte zu fassen! Einfach nur DANKE, dass ich so was erleben darf/durfte.

Und das eigentlich Wahnsinnige ist die unglaubliche Spendensumme. Ich danke Euch von ganzem HERZEN. Ihr habt die Aktion mit Leben gefüllt. Natürlich halte ich Euch über die endgültige Summe und die weiteren Aktivitäten auf dem Laufenden. Achso, den Erfolg habe ich natürlich noch im Weißen Holunder mit dem ein oder anderen Bierchen und der ein oder anderen Zigarette gefeiert ;-)). Und als Geschenk: einen fetten Muskelkater. Weitere Ergebnisse und Berichte könnt Ihr hier oder natürlich auf dieser Seite verfolgen.

Fotos: Kai Engelhardt/Mike Fresenborg/Central Team

Alle Fotos von Mike Fresenborg in 18 Serien: Von Rodenkirchen zum Weißen Holunder mit Zielzeit um die 2:40 Stunden, Holunder-Passage bis 2:50 h-Zielzeit, Zielzeit noch unter drei Stunden, Die Drei-Stunden-Grenze rückt näher, So viele bekannte Gesichter…, Von Frank mit den Frikadellen bis zum Finale mit Aga, Markus, Herbert, Katja, Hermann-Josef und noch viele mehr, Super-Stimmung an der kölschen Kultkneipe, Der Läuferstrom reisst nicht ab, Gut gelaunt am Holunder vorbei, Prächtige Stimmung in der Erftstrasse, Marathon-Helden unterwegs, Verena, Jürgen & die 4:30 h-Finisher, Manuel & Torsten wieder in zivil und in Feierlaune, Die teuerste Gummiente von Köln, Zwischendurch einmal eine Versteigerung…, Es geht an die fünf Stunden, Feuerwerk & Besenwagen

Alle Fotos von Winfried Schommers und Kai Engelhardt in 10 Serien: Vor dem Halbmarathon-Start, Start und Deutzer Br�cke, Nachziel Halbmarathon, Deutzer Bahnhof, vor dem Marathon-Start, Start des Marathon, Weißer Holunder mit Herren- und Damenspitze, Schnelle Drei-Stunden-Läufer, Die Verpflegung kommt…, Läuferwellen rollen an, Die Zeit der bunten Ballons, Marathon4you – die schönsten Kostüme, Stimmung im Weißen Holunder

8 Kommentare zu „Torsten Trems: so lief der Köln Marathon“

  1. Herrlich Torsten!! Danke fr deinen Bericht! Und wie schon gesagt, Herzlichen Glckwunsch zu dieser Wahnsinnsleistung! Dein Video vom Zieleinlauf und die zugehrigen Bilder sprechen Bnde! Bald knnen wir das ganze ja sicher nochmal „Revue passieren lassen“!! ;)

    VG
    Daniel K.

  2. Toll, toll, toll! Nach toller Spendenaktion und toller Laufleistung nun auch noch ein toller Bericht !!! Du bist schon quasi ein echtes „Laufmonster“ und hast bei der Park Inn Hotel Aktion beim Kln Marathon auf jeden Fall die „Central(e)“ Rolle gespielt :)

    WEEEIIIITEEEER SO !

  3. Hui hui hui…
    Meine neuen Passbilder habe ich nicht zu verantworten.

    Die sind etwas spter bei der schillernden Party im Weien Holunder entstanden – Gel ist auch leer.

    ;-))

    Weitere Photos und Zieleinlaufvideo hier

    LG Torsten

  4. Hallo Torsten, herzlichen Glckwunsch zu Deiner tollen Leistung. Ein sehr spannender Bericht, sehr eindrucksvoll
    wie Du den Marathon schilderst. Was Du geleistest hast, auch fr die Krebskranken Kinder: einfach vorbildlich.
    Gute Erholung und bis bald.
    Vg. Manfred

  5. hi namensvetter! :-)
    saugeiler bericht, hab wieder gnsehaut beim lesen gehabt, wie bei manuels bericht auch.
    wahnsinnsleistung, wenn man dann noch liest dass du unterwegs teilweise echt probleme hattest…der wahnsinn. ich seh immer noch wie locker du bei uns am holunder vorbeigerast bist…unglaublich!
    vielen dank fr deinen einsatz, saugeil, wirklich!

  6. Danke Torsten für deinen Einsatz! Absolute Klasse, wie du dich über deine Krämpfe und Schmerzen hinweg gesetzt hast (ich bin am Nürburgring in den Genuß gekommen!). Ich hatte Dich drei mal auf dem Course mitbekommen.
    Und du hast immer 1A Sahne ausgesehen! Siehst du deinen Ausflug beim Warmjoggen… ? Ich bin echt stolz mit Manuel und dir in der Marathon Team Wertung auf dem 2. Platz zu stehen.

    Mit sportlichen Grüssen
    Boris

  7. Eigentlich kann man gar nicht beschreiben, wie Torsten auf der Deutzer Brücke noch mal Gas gegeben hat. Ich wusste ja bisher schon, dass er ein richtiger Kämpfer ist. Aber diese Mimik habe ich bisher noch nie gesehen – an diesem Tag hätte vermutlich sogar Manuel Probleme gehabt, den Zielsprint gegen Torsten zu gewinnen.

    Einfach richtig klasse, wie Du Dich da reingehangen hast und die Sekunde war es absolut wert!

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